TSV Michelbach: Verbandsliga Mitte 20/21

Michelbach kehrt in Verbandsliga zurück

Der TSV Michelbach wollte als Aufsteiger aus der Kreisoberliga in der Gruppenliga Gießen/Marburg den Klassenerhalt schaffen – und steigt nun als Meister in die Verbandsliga auf.

Am 4. Juni 2005 bestritt der TSV Michelbach zuletzt ein Spiel in der zweithöchsten hessischen Fußball-Liga. Mit 1:2 unterlag das Team vom Lorch beim RSV Würges – es war die 17. Niederlage im 32. Spiel der Saison und der vorläufige Abschluss der „großen Zeit“ des Vereins, wie es der Zweite Vorsitzende Dieter Jacobi formuliert. 15 Jahre ist der Abstieg aus der Spielklasse, die damals noch den Namen Landesliga trug, her. Jetzt ist der Marburger Stadtteil-Verein zurück, misst sich in der kommenden Spielzeit in der Verbandsliga Mitte mit Teams wie dem FC Ederbergland und dem FV Breidenbach, ebenso mit den Lokalrivalen VfB und SF BG Marburg sowie SV Bauerbach. Dabei war das Saisonziel vor Beginn der Spielzeit 2019/2020 ein ganz anderes.

„Möglichst nichts mit dem Abstieg zutun haben“ wollte Jacobi. „Alles andere“, hatte er vor knapp einem Jahr gesagt, „wäre vermessen“. Tatsächlich stand der TSV nur ganz früh in der Saison weit unten, danach ging’s aufwärts, schnell bis auf Rang eins. Seit rund anderthalb Wochen, mit dem formalen Beschluss zum Abbruch der Saison aufgrund der Corona-Krise, stehen die Michelbacher als Meister der Gruppenliga Gießen/Marburg und Aufsteiger in die Verbandsliga fest. „Ich war schon davon ausgegangen, dass wir kein Fallobst sein würden“, sagt Jacobi im Rückblick. „Aber wir waren Aufsteiger und wusste nicht wirklich einzuschätzen, wo wir stehen.“

Erst Kreisoberliga-, jetzt Gruppenliga-Meister

„Eigentlich“, sagt Kai Ranke und schmunzelt, „müssten wir jetzt als Trainer aufhören. Das ist ja kaum mehr zu steigern.“ Seit 2018 bildet der ehemalige Oberliga-Spieler gemeinsam mit Christoph Weidenhausen ein Trainerduo. In ihrer ersten Saison beim Marburger Stadtteil-Club gelang der Aufstieg von der Kreisoberliga in die Gruppenliga, dort schaffte der TSV jetzt den Durchmarsch – auch für Ranke „natürlich so nicht zu erwarten“, wenngleich für ihn klar war, „dass wir viel Qualität in der Mannschaft haben. Ich hatte schon gedacht, dass wir den ein oder anderen von oben auch mal ärgern können.“

Tatsächlich sind die Michelbacher nun selbst ganz oben gelandet. Ärgern ließen sie sich vor allem in der Frühphase der Saison, als es manche unnötige Niederlage gab. Danach lief es rund, auch gegen den TSV Steinbach II, den FSV Schröck und den FC Burgsolms – in der Abschlusstabelle Zweiter, Dritter und Vierter – gelangen Siege. „Wir hätten die Saison lieber zu Ende gebracht und Platz eins verteidigt. Das hätte dann noch einen höheren Stellenwert gehabt“, sagt Ranke zwar, aber: „Wir haben alle direkten Konkurrenten geschlagen. Dass wir beim Abbruch auf Platz eins standen, ist deshalb sicherlich kein Glück sondern verdient.“

Fokus liegt künftig stärker auf der Defensive

„Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften“ lautet eine weit verbreitete Fußball-Weisheit – auf den TSV Michelbach trifft sie nicht zu: Das Team blieb in gerade einmal fünf von 22 ausgetragenen Spielen ohne Gegentor, insgesamt kassierte es 38 Treffer und damit im Schnitt mehr als 1,7 pro Partie. Vorstandsmitglied Jacobi stört das weniger, er sieht „lieber einen 4:3- als einen 1:0-Sieg“ und erinnert sich gern an das 6:4 gegen Schröck im Herbst vergangenen Jahres: „Da ist den Zuschauern richtig was geboten worden.“ Coach Ranke, von Haus aus Verteidiger, hat eine etwas andere Einstellung: „Weniger Gegentreffer wären mir lieber, darin zeigt sich eine taktisch disziplinierte Mannschaft.“ Von ihm aus könne „gern auch jedes Spiel 1:0 für uns ausgehen“, sagt der 41-Jährige und lacht.

In der Verbandsliga wird es dazu sicher nicht kommen. Weil es aber deutlich schwerer werden wird, selbst Tore zu erzielen – in der beendeten Spielzeit gelangen 61 Treffer und damit im Schnitt knapp 2,8 pro Partie –, werde die Grundausrichtung defensiver sein: „Wir werden den Fokus schon in der Vorbereitung darauf legen, gut zu stehen.“ Mit dem intensiven Training soll Ende Juli begonnen werden, „sofern sich an dem Plan, Anfang September in die Saison zu starten nichts ändert“, erklärt Ranke. Bis dahin soll es weitere lockere Einheiten entsprechend der geltenden Hygieneregeln geben, „um ein bisschen gegen den Ball zu treten“.

Verein hat „bewegte Zeiten“ hinter sich

Ziel für die neue Saison könne „nur der Klassenerhalt sein“, sagt Ranke, der von einer „riesigen Herausforderung“ spricht: „Die nehmen wir gern an und freuen uns darauf.“ Jacobi sieht es ähnlich und ist froh, dass der Verein „bewegte Jahre“ hinter sich gelassen hat: 2014 stieg der TSV aus der Gruppenliga ab, im folgenden Jahr gelang der Klassenerhalt in der Kreisoberliga nur knapp, 2016 ebenso. „Da hatten wir Glück, das muss man klar sagen. Das hätte auch anders ausgehen können.“

Für den Zweiten Vorsitzenden ist „wichtig, dass wir aus dieser Zeit gelernt haben“. „Einige schlechte Erfahrungen“ hätten Einfluss auf die Zusammenstellung des Kaders, erklärt er: „Ein Spieler soll sportlich zu uns passen. Fast noch wichtiger ist aber, dass er menschlich zu uns passt.“ Und, da sind sich Jacobi und Ranke einig: Der Zusammenhalt ist eine der großen Stärken der aktuellen Meistermannschaft.

Fünf Zugänge stehen fest

Für die neue Saison hat der TSV Michelbach im 33-jährigen Mehmet Akci (kommt von der SG Waldsolms) und dem 34 Jahre alten Michael Rübe (BSF Richtsberg) zwei erfahrene Defensivspieler verpflichtet, wie der Zweite Vorsitzende Dieter Jacobi mitteilt. Jonas Braun und Max Schneidmüller (beide VfB Wetter) sollen die Offensive, Moritz Gieße (VfL Biedenkopf), Kodo Kiyabu (Universität Tenri/Japan) und Shunsuke Yoshimine (Universität Osaka/Japan) das Mittelfeld verstärken. Alexander Lauer wird dem Trainerduo Kai Ranke und Christoph Weidenhausen in Zukunft hingegen nicht mehr zu Verfügung stehen: Den 29-Jährigen zieht es aus beruflichen Gründen nach Rostock. „Er ist jedes Spiel an seine Grenzen gegangen und ein großes Vorbild für alle Spieler gewesen“, sagt Ranke über den bisherigen Kapitän, dessen Abgang ein „ganz schwerer Schlag“ sei.

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mit freundlicher Unterstützung der "Oberhessischen Presse" (Stefan Weisbrod)

Weitere Neuzugänge:

Weitere Neuzugänge hat der TSV 03/30 Michelbach mit Gabriel Almeida da Silva (SG Treis/ Allendorf), Mehmet Akci (SG Waldsolms), Florian Giehl (VFB Wetter) und Noel Santos (FC Ederbergland) zu vermelden. Zudem wurden Sascha Ehlich von der SG Lahnfels als weiteren Torwart und Milano Michel (BSF Richtsberg) für die Offensive verpflichtet.

Sehr bedauerlich und gleichwohl schmerzhaft, ist der Ausfall von André "Andi" Berger zu beklagen, der wegen eines Syndesmosebandabrisses dem Kader auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung stehen wird. Andi Bergers Ausfall ist nur schwer zu kompensieren, ist er doch bedingt durch seine Klasse und Erfahrung ein extrem wichtiger Bestandteil unseres Defensivverbundes; an dieser Stelle wünschen wir Andi eine schnelle und vollständige Genesung.
Gute Besserung!

Christoph Weidenhausen, Trainer
Tel 0163 / 2946166
Kai Ranke, Trainer
Tel 0176 / 47755621